Ein Taschenrechner liegt auf Plänen, daneben ein Bleistift

Weshalb sind die Architektenkosten so hoch?

Bauherren fragen sich oft, warum ein Architekt für ein einstündiges Beratungsgespräch 180,00 € oder gar mehr verlangen kann? Auf eine 40-Stunden-Woche hochgerechnet müsste jeder Architekt dann einen Luxusschlitten vor der Tür und seine Villa in kürzester Zeit abbezahlt haben. Was also berechtigt ihn, derart hohe Stundensätze zu nehmen?

Ganz einfach: Der Architekt erbringt eine hochspezialiserte Leistung, die eine langjährige Ausbildung, eine ständige Weiterbildung und ein hohes Maß an Verantwortung und Einfühlungsvermögen erfordert. Der Bauherr zahlt nicht für die Zeit des Architekten, sondern für sein Wissen und seine Erfahrung. Schon vor diesem Hintergrund wäre der Lohn eines Lagerarbeiters hier nicht gerechtfertigt.

Doch das Einkommen der Architekten wird auch aus anderen Gründen überschätzt.

Das Architektenhonorar nach HOAI richtet sich nach den Baukosten, und ist somit nicht gleich hoch für den gleichen Arbeitsumfang. Das klingt zuerst nicht ganz fair, aber wenn zum Beispiel ein Marmorboden verlegt wird, muss der Architekt eine höhere Verantwortung übernehmen als bei billigen Fliesen aus dem Baumarkt. Diese Verantwortung schlägt sich im Honorar nieder. Das ist insofern nicht ungerecht, als dass jemand, der sich goldene Wasserhähne einbaut, sich auch eher diese Gebühren leisten kann.

Auch sieht ein Honorar in Höhe von mehreren zehntausend Euro auf den ersten Blick sehr hoch aus. Man darf aber nicht vergessen, dass sich dieses Honorar über die gesamte Planungs- und Bauphase erstreckt, die sich oft über mehrere Jahre zieht. Wenn man das auf den Monat umrechnet, ist es gar nicht mehr so hoch.

Man zahlt nicht für Zeit, sondern für Wissen.

Der Architekt arbeitet auch nicht nur, wenn er auf der Baustelle steht oder Pläne zeichnet. Er bereitet sich auf das Gespräch vor, muss sich örtliche Bauvorschriften anschauen und denkt auch außerhalb der Arbeitszeit an Ihr Bauvorhaben. Hiervon bekommen Sie nichts mit und dennoch arbeitet der Architekt an Ihrem Projekt. Oft ist auch das Ergebnis einer stundenlangen Recherche in einem einzigen Satz zusammengefasst: „Das darf man so nicht bauen, aber hier steht, was Sie dürfen“. Diesem Satz sieht man nicht an, wie viel Arbeit dahinter steckt.

Ein Architekt hat auch Ausgaben!

Viele sehen auch nicht den Unterschied zwischen Einnahmen und Gewinn. Als Architekt nutzt man kostenintensive hochwertige Software und zahlt hohe Beiträge für eine Haftpflichtversicherung, falls in der Planung mal etwas schief läuft. Was kaum jemand weiß: Mit der Höhe der Baukosten steigen auch die Prämien für die Versicherung.

Der sorgfältig arbeitende Architekt hat sich ständig über neue Normen, Gesetze, und Produkte zu informieren. Dazu gehören teure Spezialzeitschriften, die Teilnahme an Bildungsveranstaltungen und die ständige Erneuerung der Bibliothek. Weitere Kosten, wie Umsatzsteuer, Büromiete, Porto und Büromaterial, die üblichen Versicherungen, die Anschaffung, die Wartung und das Leasing der technischen Geräte fallen selbstverständlich auch an.

Letztendlich muss der Architekt für jeden Euro, den er einnimmt, mehr als die Hälfte in sein Büro investieren.

Vergessen darf man auch nicht, dass der Architekt nicht jede Arbeitsstunde erstattet bekommt. Die Tätigkeit des Architekten beinhaltet viel Buchhaltung und allgemeine Arbeiten im Büro, die nicht direkt mit einem Projekt verbunden sind. Ein Architekt muss Akquise neuer Bauheren betreiben oder auch mal unbezahlte Telefongespräche führen. Damit wird also nicht wie bei einem angestellten Arbeiter jede einzelne Stunde bezahlt.

Zusammenfassung

Zusammenfassend darf man gerne sagen, dass das Architektenhonorar zwar hoch erscheint, er dafür aber eine sehr große Portion Wissen, Verantwortung und Erfahrung bietet, die Ihnen als Bauherren sehr viel Zeit und Nerven sparen kann. Das, was Sie dem Architekten bezahlen, erhalten sie letztendlich doppelt zurück.

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